Musik und Gesundheit - wie passt das zusammen?

Aktualisiert: 19. Mai

Musik weckt Emotionen – das weiss im positiven Sinne jeder, der zu Hause den Sommerhit des letzten Strandurlaubs hörte und im negativen Sinne jeder, der im tiefsten Liebeskummer das gemeinsame Lied hören musste. Aber sind Emotionen wirklich alles, was Musik in uns auslöst? Und kannst du dir das zunutze machen, in-dem du selbst ein Instrument spielst?

Musik im Alter - gut für die Gesundheit
Musik im Alter - gut fürs Gehirn!

Was bewirkt Musik in deinem Körper?

Dass Musik sich förderlich auf deine Gesundheit auswirken kann, wurde sogar schon wissenschaftlich untersucht.

  • beruhigende Wirkung: Forscher der Ruhr-Universität Bochum fanden anhand der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart heraus, dass allein durch das Zuhören der Klänge von Symphonie Nr. 40, g-Moll die Herzfrequenz und der Blutdruck sanken – die Menschen entspannten sich.

  • weniger Stress: Auch das Stresshormon Cortisol sinkt beim Hören der Symphonie deutlich.

  • positive Wirkung auf das Immunsystem: Die Universität Oldenburg hat unter der Leitung von Prof. Gunter Kreuz eine Untersuchung angestellt, bei der Chorsänger vor und nach einer Probe verschiedene Werte genommen bekamen. Dabei fand Kreuz heraus, dass die Konzentration des Immunglobulin A im Blut nach der Probe angestiegen war. Damit konnte eine immunstärkende Wirkung von aktivem Musizieren gezeigt werden.

  • gesteigerte Neuroplastizität: Unter Neuroplastizität versteht man die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich umzustrukturieren. Das bedeutet, dass sich Nervenzellen und Nervenzellbahnen andere als die gewohnten Wege suchen können, um eine bestimmte Tätigkeit auszuführen. Selbst, wenn ein Gehirn also – warum auch immer – irreversiblen Schaden genommen hat, können gesunde Regionen die Funktionen der geschädigten Hirnareale übernehmen und bestimmte Fähigkeiten können dennoch erhalten bleiben.

  • aufmunternde Wirkung: Neben der Absenkung des Stresshormons Cortisol können das Hören von Musik und das aktive Musizieren auch Glückshormone freisetzen.

  • Zusammengehörigkeitsgefühl: Ob beim Hören von musikalischen Darbietungen, welcher Art auch immer oder beim aktiven Musizieren – Musik kann ein Gefühl von Zusammengehörigkeit in uns auslösen. Wer gemeinsam musiziert, muss sich auf den anderen verlassen können. Erst dann kann die Musik zu dem werden, was wir von ihr erwarten. Insofern vertrauen wir unseren Mitmusizierenden und das wirkt nachweislich beglückend auf den Menschen. Das Gefühl ist, so konnten es Untersuchungen der Universität Hannover zeigen, sogar stärker ausgeprägt als bei Teamsportlern, wo es ja nachweislich um Leistung und das konkrete Erreichen eines Ziels geht.

  • Ausschütten von Bindungshormonen: Wenn du musizierst, schüttet dein Kör-per das Bindungshormon Oxytocin aus. Dieses Hormon kennen wir sonst vom Kuscheln oder nach dem Sex. Auch der Kontakt mit eigenen Kindern kann eine Ausschüttung dieses Bindungshormons bewirken. Eine tolle Nachricht für alle aktiven Musiker – denn ein gesteigerter Oxytocinspiegel kann uns allgemein ein po-sitives Lebensgefühl geben.

  • verbessertes Gedächtnis: Der Neurowissenschaftler Lutz Jäncke der Universität Zürich hat mit seinem Team mittels MRT (Magnetresonanztomografie) Untersuchungen der Hirnstrukturen von 50 Nichtmusikern und 103 Profimusikern angestellt. Er konnte dabei Erstaunliches herausfinden. Die Hörareale der beiden Hirn-hälften sind anatomisch und funktionell bei Musikern stärker verbunden als bei Nichtmusikern. Auch andere Hirnbereiche waren stärker miteinander vernetzt. Be-sonders betroffen waren laut dieser Untersuchung Bereiche, die für die Verarbeitung und Kontrolle von Gedächtnisinhalten verantwortlich sind. Wer aktiv musiziert, kann also auch besser lernen und sich Dinge merken.

Musik für Kinder - gut für die Entwicklung des Gehirns

Woher kommen diese Wirkungen?

Gerade bei klassischer Musik, etwa der von Mozart, sind es die sehr eingängigen Melodien ohne Text. Denn das Gehirn der Zuhörenden kann sich entspannen, da es nicht auf die Worte hören muss und aktiv etwas verstehen sollte. Stattdessen wird es eingehüllt in die sanften Klänge. Die Musik trifft dabei auf dein Ohr, wo sie auf die feinsten Haarzellen stösst. Diese verwandeln die Schwingungen in elektrische Impulse, die ihre Wirkung direkt im Hirnstamm entfalten, weil es eine direkte Verbindung zum vegetativen Nervensystem gibt. Dieses wiederum beeinflusst Herzschlag und Atmung – aus diesem Grund kann Stress reduziert werden, denn die Atmung und der Herzschlag sind direkte Indikatoren für deinen Körper, ob du gerade im Stress bist oder nicht. Wenn du schneller atmest, schlägt dein Herz schneller und das verbindet dein Körper mit Stress – ob du nun gerade wirklich unter Druck stehst oder nicht.


Wie macht sich die Medizin dieses Wissen zunutze?

Verschiedene Mediziner haben mittlerweile erkannt, dass Musik viel mehr ist als nur die mehr oder weniger zufällige Aneinanderreihung von Tönen. Sie arbeitet tief in uns und ermöglicht teilweise sogar Zugang zu Emotionen und Erinnerungen, die wir bewusst gar nicht ansprechen können. Gerade das Gebiet der Musiktherapie, das massgeblich von Prof. Altenmüller, Hannover, gefördert wird, kann diese Zusammenhänge für sich nutzen.


Denn wenn ein Patient, je nach Situation, der Musik lauscht oder ein Instrument seiner Wahl spielen darf, kann er dadurch Dinge ausdrücken, die er kaum in Worte fassen kann. Stell dir etwa vor, ein Kind soll während einer Therapiesitzung seinen Familienmitgliedern Instrumente zuordnen. Dadurch kann es ohne viele Worte vielleicht sogar Konflikte oder bestimmte Rollenverteilungen offenlegen, für die es sonst keinen passenden Ausdruck finden könnte.


Über den Kanal der Musik können dann auch sonst eher hart wirkende Menschen weich werden. Denn wenn die abgespielte Musik Erinnerungen weckt, fliessen Tränen, die nur ein Gespräch nicht hätte lösen können.


Die heilende Wirkung von Musik

Altenmüller hat mit der Universität Genf auch eine Untersuchung angestellt, mit deren Hilfe erforscht werden sollte, ob es einen Unterschied macht, ob du aktiv musizierst oder lediglich ein Musikhörender bist. Dazu wurden 136 ältere Menschen untersucht. Die Hälfte dieser Personen erhielt über ein halbes Jahr aktiven Musikunterricht, während die andere Hälfte theoretischen Musikunterricht erhielt. Weil das aktive Musizieren sowohl die Motorik als auch das Hörzentrum anspricht, konnten verbesserte Gedächtnisleistungen bei den aktiv Musizierenden, sowie eine schnellere Reaktion und sogar ein besseres Sprachverständnis festgestellt werden.


Auch in der Therapie von Dementen wird heutzutage die Musik, zumindest im Hören, eingesetzt. Denn Alzheimerpatienten erinnern sich an Musik und zeigen reflexartig emotionale Reaktionen. Selbst, wenn also kaum noch ein Sprachvermögen vorhanden ist, können die therapierenden Personen einen Zugang über Musik erreichen. Denn Musik begleitet uns buchstäblich unser ganzes Leben lang. Bereits in der 21. Schwangerschaftswoche bildet das Ungeborene sein Hörzentrum aus und ab diesem Zeitpunkt nimmt es zumindest akustisch am Leben seines Umfelds teil. In der Psychosomatik konnte Musik für einen Zugang zu bestimmten Emotionen genutzt werden und beachtliche Erfolge erzielt werden.

Musik als Heilung, geht das?

Kann Musik auch in Krisenzeiten helfen?

Die Jahre 2020 bis 2022 haben uns gezeigt, wie fragil unter Umständen unser Ge-müt werden kann. Corona und die damit verbundene Krise haben uns alle vor mehr oder weniger grosse, besonders emotionale Herausforderungen gestellt. Da waren die Massnahmen, die Beschränkungen und vielfach auch die Isolation. Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main hat Menschen aus sechs Ländern auf drei Kontinenten untersucht.


In der Zeit des ersten grossen Lockdowns, nämlich von April bis Mai 2020, haben sie Menschen aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Indien und den USA befragt, wie sie Musik während der Krise eingesetzt haben. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Über die Hälfte der Befragten gaben an, dass sie Musik eingesetzt haben, um emotionale und soziale Stressfaktoren zu mindern. In diesem Zusammenhang war es auch spannend, herauszufinden, wie unterschiedlich die Musik hier genutzt wurde:


Menschen, die pandemiebedingt starke negative Emotionen verspürten, nutzten Musik in erster Linie passiv, um Depressionen, Angst und Stress zu regulieren. Menschen, die sich selbst als eher positiv gestimmt beschreiben würden, setzten Musik als Mittel zur Vernetzung ein. Die Musik war dann in der Lage, pandemiebedingt fehlende soziale Interaktionen zumindest teilweise zu ersetzen. Wie das aussah, ist all-gemein bekannt: Gerade Musiker wurden kreativ und setzten Videokonferenzen ein, um miteinander zu musizieren und somit eine Verbindung aufzubauen. Sie bauten dadurch ein Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft auf.


Es entstand teils sogar sogenannte „Corona-Musik“, also solche Musik, die neu über die Pandemie komponiert und getextet wurde und bestehende Stücke, die entsprechend bearbeitet wurden. Gerade solche Musik wurde und wird von vielen Betroffenen als besonders hilfreich empfunden, weil komplexe Themen be- und verarbeitet werden können.

Musizieren für das mentale Wohlbefinden

Welche Musik ist besonders förderlich?

Aber müssen es wirklich Mozart und Co., also klassische Musikstücke sein, die du musizieren musst, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen? Was ist, wenn dir klassische Musik widerstrebt und du dich eher zu rauen Tönen wie Rock oder den schwingenden Rhythmen des Jazz hingezogen fühlst?


In erster Linie geht es beim Musizieren um den Spass und natürlich um die Zusammengehörigkeit. Diese wirst du, wie du dir sicher vorstellen kannst, nur dann fühlen, wenn es auch „deine“ Musik ist. Als eingefleischter Rocker kannst du also die Geige lernen und dich in ein Symphonieorchester setzen. Du wirst dort nie das Gefühl be-kommen, das du beim aktiven Mitwirken in einer Rockband erleben wirst. Andersherum kannst du als bekennender Liebhaber klassischer Klänge weniger positiven Effekt von aktivem Jazz-Musizieren erwarten als beim Mitwirken in einem klassischen Orchester. Was für die einen das Instrument ist, ist für den anderen die Stimme.


Fazit

Musik hat unbestritten viele positive Wirkungen – das gilt besonders für das aktive Musizieren, weil du dabei noch mehr Hirnregionen ansprichst als beim blossen Zuhören. Vor allen Dingen soll Musik aber Spass machen. Wenn du dich zu etwas zwingst, was du gar nicht bist, zerstört das selbstverständlich alle positiven Wirkungen. Entscheide dich doch einfach für deinen persönlichen Geschmack. Welche Musik hörst du gerne? Welche Musik begeistert dich? Welche Fähigkeit würdest du gerne be-herrschen?


Nimm dir einfach ein wenig Zeit zum Nachdenken. Natürlich kannst du auch eine unserer Lehrpersonen zu diesen Themen befragen. Denn vielleicht schwebt dir bereits ein bestimmtes Instrument vor und du hast noch Fragen dazu. Zögere bitte nicht, Kontakt zu uns aufzunehmen.


Quellen: https://www.aok.de/pk/magazin/wohlbefinden/entspannung/ist-musik-gesund https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Musik-macht-gesund,musik598.html https://www.beobachter.ch/gesundheit/medizin-krankheit/die-macht-der-klange-was-im-korper-passiert-wenn-wir-musik-horen-oder https://www.spektrum.de/news/stress-musik-hilft-durch-krisenzeiten/1898575 https://www.hannoversche.de/wissenswert/einfluss-musik-wohlbefinden

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