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E-Gitarre oder akustische Gitarre: Womit fängt man als Erwachsene*r am besten an?

Du willst Gitarre lernen. Du bist erwachsen, du weisst, was du willst – aber vor dem ersten Kauf steht eine Frage, die erstaunlich viele aufhält: Soll ich mit einer E-Gitarre oder einer akustischen Gitarre anfangen? Die ehrliche Antwort: Es gibt keine universell richtige Wahl. Es gibt aber eine Wahl, die zu dir passt. Und dieser Artikel hilft dir, sie zu treffen.


Kind beim Gitarrenoten lesen
Akustische oder elektrische Gitarre - die Qual der Wahl

Was du hier nicht findest: allgemeine Gitarren-Grundlagen, Akkordtheorie oder Power-Chord-Anleitungen. Dafür haben wir eigene Artikel. Was du hier findest: einen klaren, ehrlichen Vergleich der beiden Einstiegswege – inklusive der körperlichen Realität, was Musiklehrerinnen wirklich empfehlen und was eine gute Gitarre für Einsteigerinnen auszeichnet.


Was ist der Unterschied zwischen E-Gitarre und akustischer Gitarre?

Beide sind Gitarren. Beide haben sechs Saiten, ein Griffbrett, Bünde und werden identisch gestimmt. Aber physisch und klanglich sind sie sehr unterschiedlich.


Die akustische Gitarre

Eine akustische Gitarre erzeugt ihren Klang rein mechanisch: Die Saiten schwingen, der hohle Holzkorpus verstärkt den Ton und gibt ihn durch das Schallloch nach aussen. Kein Kabel, kein Verstärker, kein Strom.


Es gibt zwei Haupttypen akustischer Gitarren, die für Einsteiger*innen relevant sind:


  • Klassische Gitarre (Konzertgitarre) Breites Griffbrett, Nylonsaiten, leiser, warmer Klang. Ursprünglich für klassische Musik und Flamenco entwickelt, aber heute der häufigste Einstieg für Kinder und viele Erwachsene. Nylonsaiten sind sanfter zu den Fingern.

  • Westerngitarre Schmäleres Griffbrett, Stahlsaiten, lauterer und hellerer Klang. Das Instrument, das man aus Folk, Country, Singer/Songwriter-Musik und akustischem Pop kennt. John Mayer, Taylor Swift, Ed Sheeran – alle spielen Westerngitarre.


Daneben gibt es noch Jazzgitarren (halbresonant, für Jazz und Blues), Flamencogitarren (ähnlich klassisch, aber mit spezifischem Klangcharakter) und Sonderformen wie die Resonatorgitarre oder Lap Steel. Für Einsteiger*innen sind aber fast ausschliesslich klassische Gitarre, Westerngitarre und E-Gitarre relevant.


Die E-Gitarre

Die E-Gitarre hat in der Regel einen massiven Korpus ohne Schallloch. Sie erzeugt kaum Eigenklang – der Ton entsteht durch elektromagnetische Tonabnehmer (Pickups), die die Saitenschwingung in ein elektrisches Signal umwandeln. Dieses Signal geht in einen Verstärker (Amp) und dort entsteht der Klang, den du hörst.


Das bedeutet: Ohne Amp klingt eine E-Gitarre kaum lauter als ein gedämpftes Kratzen. Mit Amp – und dem richtigen Effekt – kann sie wie Metallica oder wie John Mayer klingen.


Elektrische Gitarren

Die körperliche Realität: Saiten, Saitenlage und Bünde

Das ist der Teil, den viele Ratgeber unterschlagen – und der für Einsteiger*innen am direktesten spürbar ist.


Saiten: Was tut weh und warum?

Die Saiten sind der erste Kontakt mit der Gitarre, und sie bestimmen die Lernerfahrung in den ersten Wochen massiv.

Gitarrentyp

Saitentyp

Fingergefühl

Klassische Gitarre

Nylon

Weich, drückt wenig

Westerngitarre

Stahl

Hart, schneidet in Finger

E-Gitarre

Stahl (dünner Gauge)

Mittel – leichter als Western

Die Stahlsaiten einer Westerngitarre haben typischerweise einen dickeren Gauge (Saitenstärke) als E-Gitarrensaiten. Das macht die Westerngitarre in den ersten Wochen körperlich anspruchsvoller als viele denken – und anspruchsvoller als eine E-Gitarre.


Saitenlage: Der unterschätzte Faktor

Die Saitenlage beschreibt den Abstand zwischen Saiten und Griffbrett (Bünden). Je höher die Saitenlage, desto mehr Kraft brauchst du, um die Saite auf den Bund zu drücken, und desto schneller ermüdet die Hand.


Akustische Gitarren – besonders günstige Modelle – haben oft eine höhere Saitenlage als E-Gitarren. Das ist einer der Hauptgründe, warum viele Gitarrenlehrer*innen E-Gitarren für körperlich einfacher zum Greifen halten.


Eine gut eingestellte Gitarre (professionelles Setup) macht hier einen grossen Unterschied. Darauf kommen wir beim Kaufabschnitt zurück.


Bundabstände und Griffbrettbreite

Klassische Gitarren haben das breiteste Griffbrett – gut für Finger, die Platz brauchen, aber herausfordernd für Menschen mit kleineren Händen. Westerngitarren sind schmaler. E-Gitarren haben das schmalste Griffbrett und liegen für viele Erwachsene am natürlichsten in der Hand.


Gitarren Saiten und Akkorde

Fingermuskulatur und Hornhaut: Was passiert in den ersten Wochen?

Das ist keine Kleinigkeit, und es ist gut, darauf vorbereitet zu sein.


Die Hornhaut

Wenn du anfängst, Gitarre zu spielen, tun die Fingerkuppen der Greifhand weh. Das ist normal – und temporär. Nach zwei bis vier Wochen regelmässigem Spielen bildet sich eine feine Hornhaut auf den Fingerkuppen. Ab diesem Punkt verschwindet der Schmerz fast vollständig.

Was hilft:


  • Kurze, regelmässige Übungseinheiten statt seltene, lange. Die Haut braucht Zeit zum Regenerieren.

  • Nach dem Spielen kurz mit kaltem Wasser kühlen.

  • Alkohol auf die Fingerkuppen tupfen trocknet die Haut und kann den Prozess leicht beschleunigen – ist aber kein Muss.


Nylonsaiten (klassische Gitarre) sind hier die schonendste Variante. E-Gitarrensaiten liegen in der Mitte. Stahl-Westernsaiten sind am anspruchsvollsten – aber auch hier gewöhnt sich die Haut in wenigen Wochen.


Fingermuskulatur

Akkorde greifen, besonders wenn zwei Hände unabhängig voneinander arbeiten, trainiert Muskelgruppen, die du vorher kaum beansprucht hast. In den ersten Wochen wirst du merken, dass die Greifhand schnell müde wird.


Das ist kein Problem – es ist ein Trainingseffekt. Die Muskulatur baut sich schnell auf. Drei Wochen konsequentes Üben von 15 bis 20 Minuten täglich reichen, um eine deutlich bessere Griffkontrolle zu spüren. Forciere nichts: Schmerzen im Handgelenk oder Unterarm sind ein Warnsignal und sollten mit einer Lehrperson besprochen werden. Falsche Handhaltung ist in frühen Stadien die häufigste Ursache.


Was empfehlen Musiklehrer*innen – und warum?

Die Meinungen von erfahrenen Gitarrenlehrer*innen sind hier überraschend differenziert.


Die klassische Empfehlung: Akustisch zuerst.

Das Argument: Wer auf einer akustischen Gitarre lernt, entwickelt eine stärkere Fingermuskulatur und ein besseres Gehör für den eigenen Klang. Kein Amp-Sound, der Fehler überdeckt. Was du spielst, hörst du so, wie es ist. Wenn du dann zur E-Gitarre wechselst, fühlt sie sich leichter an.


Die modernere Gegenmeinung: Fang mit dem Instrument an, das dich motiviert.

Gitarrenlehrer*innen, die viel mit Erwachsenen arbeiten, hören oft eine andere Geschichte: Viele Erwachsene geben nach wenigen Monaten auf – nicht wegen mangelnder Begabung, sondern wegen mangelnder Motivation. Ein Erwachsener, der von AC/DC träumt und mit einer Konzertgitarre anfängt, lernt nicht schlechter. Aber er hört früher auf.


Der Konsens in der Praxis:


  • Wenn deine Lieblingsmusik akustisch ist (Singer/Songwriter, Folk, klassische Stücke): Akustische Gitarre.

  • Wenn deine Lieblingsmusik elektrisch ist (Rock, Blues, Indie): E-Gitarre – von Anfang an.

  • Wenn du dir nicht sicher bist: Klassische Gitarre als schonender körperlicher Einstieg, dann Wechsel wenn klar wird, wohin die Reise geht.


Ein Punkt, den fast alle Lehrer*innen teilen: Eine professionelle Lehrperson in den ersten Monaten spart ein Vielfaches der Lernzeit. Nicht weil Online-Ressourcen schlecht sind, sondern weil Haltungsfehler und Grifftechnik-Probleme am Anfang unsichtbar sind – und später schwer zu korrigieren.


Elektrische Gitarre

Wie lernst du am besten – E-Gitarre oder Akustik?

Der Lernweg unterscheidet sich je nach Instrument leicht.


Akustische Gitarre lernen als Erwachsene*r


  • Startpunkt: offene Akkorde. G-Dur, C-Dur, D-Dur, Em – vier Akkorde, mit denen hunderte Songs spielbar sind. Dazu haben wir einen eigenen Artikel.

  • Strumming-Patterns früh üben. Die rechte Hand macht die Musik. Rhythmus ist wichtiger als perfekte Grifftechnik.

  • Lieblingssongs einbauen. Du lernst als Erwachsene*r schneller, wenn das Material dich interessiert. Bitte deine Lehrperson, Stücke einzubauen, die du wirklich hören willst.

  • Barré-Akkorde kommen. Irgendwann steht das F-Dur. Es ist schwerer als alles davor. Plane mehr Zeit dafür ein – und erwarte keine schnellen Ergebnisse. Das ist bei allen so.


E-Gitarre lernen als Erwachsene*r


  • Equipment klären vor dem ersten Spielen. Du brauchst einen Amp (oder einen Kopfhörer-Amp für leises Üben), ein Kabel und idealerweise ein Stimmgerät. Ohne Setup klingt die E-Gitarre nach nichts.

  • Sauberes Spielen ohne Overdrive zuerst. Verzerrung klingt gut, verdeckt aber auch Fehler. Cleaner Sound zuerst.

  • Power Chords sind ein schneller Einstieg. Zwei Finger, sofort echter Rock-Sound. Wie das genau funktioniert, haben wir ausführlich erklärt.

  • Nicht bei Technik stecken bleiben. Erwachsene Einsteiger*innen neigen dazu, Technik zu überdenken. Spielen ist wichtiger als perfektes Verstehen.


Kind mit akustischer Gitarre

Kurz: Was gilt für Kinder?

Für Kinder unter 12 Jahren empfehlen die meisten Lehrpersonen die klassische Gitarre – wegen der Nylonsaiten und der altersgerechten Körpergrössen. Die E-Gitarre kommt später, wenn die Basis steht und der Wunsch konkret ist. Wie man Kinder ans Gitarrespielen heranführt, Eltern den Einstieg begleiten können und welche Grösse passt: Das haben wir ausführlich aufgeschrieben.


Gitarre kaufen als Einsteiger*in: Worauf kommt es an?

Jetzt kommt die praktische Seite. Nicht ob du mietest oder kaufst (das haben wir bereits in einem eigenen Artikel behandelt) – sondern: Was macht eine gute Gitarre für Einsteiger*innen aus, und wie viel solltest du ausgeben?


Was macht eine gute Einstiegsgitarre aus?


  1. Eine professionell eingestellte Saitenlage. Das ist der wichtigste und am häufigsten übersehene Faktor. Eine günstige Gitarre mit professionellem Setup spielt sich besser als eine teure Gitarre ab Werkslager. Kaufe nie eine Gitarre, ohne sie vorher zu spielen – oder lass sie direkt nach dem Kauf von einer Fachperson einstellen.

  2. Stabile Stimmung. Günstige Gitarren verstimmen sich schnell. Das frustriert und lässt das eigene Spiel schlechter klingen als es ist. Stimmer-Apps (kostenlos, sehr genau) helfen, aber das Instrument muss die Stimmung halten.

  3. Holzqualität der Decke. Eine massive Holzdecke klingt besser als eine laminierte. Für Einsteiger*innen ist das kein Muss – aber als nächste Qualitätsstufe ist es der erste sinnvolle Upgrade.

  4. Passt die Grösse zu deinen Händen? Griffbrettbreite, Saitenabstände und Körpergrösse der Gitarre sollten zu dir passen. Lass dich beim Kauf beraten. Schmale Hände mögen ein schmaleres Griffbrett, breite Finger brauchen Abstand zwischen den Saiten.


Gitarren für Einsteiger bei Musik Hug

Wie viel soll ich als Einsteiger*in ausgeben?

Gitarrentyp

Empfohlenes Budget (Einsteiger*in)

Was du bekommst

Klassische Gitarre

CHF 200–400

Solides Holz, stabile Stimmung, akzeptabler Klang

Westerngitarre

CHF 250–500

Markengitarren (Yamaha, Fender, Takamine) mit guter Verarbeitung

E-Gitarre + Amp

CHF 350–600

Starter-Sets mit Verstärker, Kabel, manchmal Tasche

Unter CHF 150 ist Vorsicht geboten. Sehr günstige Gitarren haben oft so hohe Saitenlagen und so instabile Stimmungen, dass sie das Lernen aktiv schwieriger machen. Du investierst dann mehr Frustration als Geld.


Über CHF 800 musst du als Einsteiger*in nicht gehen. Eine gute Einstiegsgitarre im mittleren Preisbereich reicht völlig, um jahrelang gut zu spielen. Der Aufstieg kommt, wenn du weisst, was du willst.


Ein letzter Tipp: Lass dich von deiner Lehrperson beim Kauf beraten. Sie weiss, welche Modelle sich in der Praxis bewähren – und welche trotz gutem Preis schlechte Saitenlagen haben.

Gitarren und E-Gitarren kaufen in der Schweiz: Die besten Läden in Zürich findest du hier.


Gitarrenlehrer und Kind

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Quellenverzeichnis

Alle verlinkten Quellen wurden im Rahmen der Artikelrecherche konsultiert und stützen die im Text gemachten Aussagen.



Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und vom Matchspace Music Team redaktionell geprüft, ergänzt und freigegeben.


Verfasser (Olivier Kipfer, Marketing und Mitgründer, Matchspace Music)

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