Musiktheorie für Anfänger*innen – das solltest du dazu wissen

Wenn du dich aktuell mit Musik als Hobby beschäftigst und dein Augenmerk auf die Musiktheorie gefallen ist, fragst du dich vielleicht, ob es wirklich das Richtige für dich ist. Vielleicht hast du auch noch eine Menge Fragen. Unsere Musiklehrpersonen haben für dich mal einige wichtige Fragen beantwortet, die dir eine Entscheidungshilfe sein könnten.

musiktheorie, noten
Musiktheorie ist nicht gleich Notenlesen!
Was versteht man unter Musiktheorie?

Die Musiktheorie teilt sich in zwei grosse Bereiche auf:

Einerseits ist sie ein Teilgebiet in der Musikwissenschaft und andererseits eine eigenständige künstlerisch-wissenschaftliche Disziplin, zu der neben der Harmonielehre auch der Kontrapunkt, die Formenlehre und die musikalische Analyse gehören.

  • Harmonielehre: Hier geht es um das Erfassen von Akkorden und den Tonsatz innerhalb der Musik. Du lernst, wie Akkorde harmonisch zusammengefügt werden können und wie sich durch logische Abfolgen schöne Melodien ergeben können.

  • Kontrapunkt: Dabei geht es darum, zu einer gegebenen Melodie, dem sogenannten Cantus firmus (das heisst „fester Gesang“) eine neue Gegenstimme zu erfinden. Im Lauf der Geschichte wurde aus dieser einzelnen Gegenstimme ein mehrstimmiger Satz.

  • Formenlehre: Bei diesem Teilgebiet der Musiktheorie beschäftigst du dich mit der Geschichte und den Eigenarten der häufig abendländischen Musikrichtungen. Es geht um die verschiedenen Entwicklungen und auch darum, wie sich unser heutiges Musikempfinden geschichtlich entwickelt hat.

  • musikalische Analyse: Dieser Aspekt der Musiktheorie widmet sich dem Untersuchen bestehender musikalischer Werke auf Form, Harmonien, Rhythmus und motivische Aspekte. Du versuchst hier, den kompositorischen Aufbau des Werks nachzuvollziehen. Um eine Vergleichbarkeit der erzielten Resultate herbeizuführen, haben sich bestimmte Schemata herauskristallisiert, mit denen du es leichter hast, ein Werk zu analysieren. In der Regel geht man dabei vom Grösseren ins Kleine – also von komplexen Strukturen bis hinunter zu einzelnen Takten und Harmonien. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Lernenden von Anfang an in Kleinigkeiten verlieren.

Woher kommt die Musiktheorie?

Ihre Ursprünge nahm die Musiktheorie schon vor tausenden von Jahren. So war das theoretische Untersuchen von Musik bereits in der griechischen Antike, also in der Zeit von 800 vor Christus bis etwa 500 nach Christus, sehr weit entwickelt. Diese Theorien wurden im Lauf der Zeit immer weiter verfeinert und so war es im Mittelalter so weit, dass sich musiktheoretische Betrachtungen und aktiv Musikschaffende zusammenfanden und dadurch spannende Wechselwirkungen erzeugten. Diese Vermischung war bis dahin nicht gegeben und beide Bereiche existierten parallel.


Heute ist die Musiktheorie ein eigenes Studienfach in der Musikwissenschaft und auch an Musikhochschulen. Oft geht es dabei um das Erforschen vorhandener Werke und das Erzeugen eines Verständnisses dafür. In Kombination mit dem praktischen Ausüben von Musik kann historisch sehr präzise musiziert werden. Denn wenn du aus der musikalischen Analyse oder der Formenlehre heraus weisst, wie bestimmte Notationen zu verstehen sind, wirst du sie auch korrekt ausführen können.

kopfhörer auf noten

Warum solltest du dich mit Musiktheorie befassen?

Wenn du dich mit Musiktheorie beschäftigst, erfährst du, vereinfacht gesagt, wie Musik an sich funktioniert. Denn jede Art von Musik folgt einer gewissen Struktur und wenn du diese verstehst, weisst du, wie die Musik, die du da hörst oder machst, funktioniert.


Neben diesem zurückschauenden Blick kann dir Musiktheorie aber auch den Blick nach vorne eröffnen. Denn sie ist zwangsläufig zumindest ein Bestandteil eines jeden Musikunterrichts. Was anfangs oft durch die verwendeten Fachbegriffe einschüchternd wirken kann, kann dir später ein tiefes Verständnis dessen, was du da tust, vermitteln.


Vielleicht hast du das Gefühl, dass das alles sehr trocken ist und wenig mit der Praxis zu tun hat. Aber das Gegenteil ist der Fall: Du kannst so oder so von dem Beherrschen der Musiktheorie profitieren. Denn du wirst dein Instrument besser spielen, wenn du komponierst, bessere Ergebnisse erzielen und unter Umständen sogar kreative Blockaden überwinden. Letzten Endes schult die Musiktheorie sogar dein Gehör, was dir beim aktiven Musizieren garantiert helfen wird.


Wie kannst du am besten in die Musiktheorie einsteigen?

Solltest du dir vielleicht direkt ein anspruchsvolles Stück, vielleicht sogar eine Gesamtkomposition vornehmen und diese von vorne bis hinten analysieren? Sicher nicht. Das würde zwangsläufig zu einem Frusterlebnis führen. Gehe simpel vor. Musiktheorie muss nicht unbedingt hochakademisch daherkommen. Beginne mit der Melodie, der Harmonie und dem Rhythmus.


Melodie: Sie ist der Teil des Stücks, der uns im Ohr bleibt und die bestenfalls sogar einen richtigen Ohrwurm erzeugen kann. Die Melodie ist der Hauptakteur in einem Musikstück. Als Komponist*in kannst du damit Geschichten erzählen und deinem Publikum etwas mit auf den Weg geben. Im Wesentlichen unterscheiden wir zwischen Instrumentalmelodien und Gesangsmelodien.


Harmonie: Sie ist das Bühnenbild zur Melodie und sorgt für die Gesamtstimmung eines Stücks. Harmonien entstehen immer dann, wenn zwei oder mehr Töne gleichzeitig erklingen. Dabei spielen Harmonien immer auch mit disharmonischen Sequenzen, die eine Spannung aufbauen können.


Rhythmus: Er verleiht dem Stück die Struktur und ist ebenfalls eins der Elemente, die uns im Ohr bleiben. Dabei geht es um Aspekte wie die Taktart (also wie viele einzelne Schläge in einem Takt vorkommen), die Frage, welche Töne betont werden und welche schwächer sind und die Aufteilung der Takte.

musiktheorie für klavierspieler

Wenn es dein Ziel ist, ein Instrument zu lernen und du dafür die Grundlagen der Musiktheorie kennenlernen möchtest, solltest du mit den unterschiedlichen Tonarten beginnen. Denn sie bilden das Grundgerüst deines Musizierens. Es gibt insgesamt 24 Tonarten mit den dazugehörigen Tonleitern. Wie sich diese unterscheiden, würde an dieser Stelle zu weit führen. Aber so viel: Wenn du verstanden hast, wie du die Tonarten voneinander unterscheiden kannst, hast du schon viel von den Basics der Musiktheorie verinnerlicht.


Als Nächstes solltest du dann lernen, Noten zu lesen. Dazu hast du die Grundlagen bereits gelegt, wenn du die Tonarten lernst. Du wirst überhaupt feststellen, dass in der Musiktheorie vieles aufeinander aufbaut. Nimm dir also immer die Zeit, bis du einen Aspekt wirklich begriffen hast und gehe erst dann weiter. Vermeide Abkürzungen, denn sie werden dich hier nicht weiterbringen.


Wenn du ein Tasteninstrument zur Verfügung hast, kann dir das gerade bei den Grundlagen eine grosse Hilfe sein, denn dann kannst du dir immer direkt anhören, was du gelernt hast.


Gibt es zusätzliche Hilfsmittel, um Musiktheorie für Anfänger*innen zu lernen?

In den unterschiedlichen App Stores können Anfänger*innen wirklich hilfreiche Apps zu den unterschiedlichen Teilbereichen der Musiktheorie finden. Entscheide dich einfach, in welchem Bereich du dir Hilfe wünschst und lade dann die App herunter. Wie bei den meisten Anwendungen gibt es auch bei diesen Apps Basis- und Premiumversionen. Nutze am einfachsten den kostenlosen Probezeitraum für die Vollversionen, um ein Gespür für die jeweilige App zu bekommen. Insbesondere im Bereich Gehörbildung können entsprechende Apps wirklich eine Hilfe sein.


Wenn du eher klassisch vorgehen willst, kannst du auch mit Büchern arbeiten. Um dich nicht direkt zu überfordern, solltest du Literatur speziell für Anfänger*innen wählen. Diese fängt tatsächlich bei null an und baut sich dann auf. Idealerweise befragst du deine Lehrperson, welche Literatur sie dir empfehlen kann. Es gibt eher allgemein gehaltene Werke und solche, die sich tendenziell an bestimmten Instrumenten orientiert.


Kann ich mir Musiktheorie auch selbst beibringen?

Ganz klar: Natürlich kannst du dir zumindest die Grundlagen der Musiktheorie auch selbst beibringen. Über kurz oder lang ist aber eine qualifizierte Lehrperson absolut zu empfehlen. Denn diese kann dir dabei helfen, die unterschiedlichen Teilbereiche der Musiktheorie so ineinander zu verflechten und aufeinander aufzubauen, dass es sinnvoll ist. Wenn du alleine lernst, kann es dir leicht passieren, dass du dich an einem einzelnen Punkt festbeisst und diesen nicht wirklich verstehst. Wüsstest du nun aber, dass es einen Aspekt aus einem anderen Teilbereich gibt, der dir hier hilfreich ist, kämest du schneller weiter. Am besten buchst du mal ein Probierpaket an Lektionen, so dass du ein Gefühl bekommst, ob du mit dieser Person gut arbeiten kannst.

mischpult für töne und musik

Muss ich unbedingt parallel ein Instrument spielen, wenn ich Musiktheorie lernen möchte?

Das ist nicht der Fall. Du kannst auch ganz einfach dein Augenmerk auf die theoretischen Aspekte der Musik legen, ohne ein Instrument zu spielen. Andersherum wird es allerdings schwierig. Ganz ohne Musiktheorie ist es nur schwer möglich, ein Instrument zu lernen. Deine Lehrperson wird die passenden Aspekte heraussuchen, denn nicht jeder, der ein bestimmtes Stück spielt, muss dieses auch bis ins kleinste Detail analysiert haben. Ein gewisses Grundverständnis erleichtert dir aber zweifelsohne die Arbeit beim Üben und beim Spielen.


Ab welchem Alter kann mein Kind Musiktheorie lernen?

Erste ernsthafte Anfänge sind ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren möglich. Spielerisch kann man aber schon vorher einzelne Inhalte in die musikalische Früherziehung einfliessen lassen. Kinder gehen oft ganz intuitiv an Themen wie Rhythmus und Notenlehre heran. Achte einfach darauf, dass dein Kind den Spass behält. Dann kann es wirklich einen Nutzen davon haben.


Bin ich vielleicht schon zu alt, um mit Musiktheorie zu beginnen?

Um etwas Neues zu lernen, ist man nie zu alt. Selbst Senioren im Alter von 80 Jahren oder älter können durchaus noch Musiktheorie lernen. Lass dich einfach von einer Lehrperson beraten, wie du vorgehen solltest. In der Tat hält es dein Gehirn fit, wenn du dich immer wieder mit neuen Dingen beschäftigst. Wer weiss – vielleicht hörst du deine Lieblingsmusik danach ganz anders.


Hast du noch Fragen?

Wenn du noch Fragen zum Thema Musiktheorie für Anfänger*innen hast, zögere bitte nicht, Kontakt zu uns aufzunehmen. Wir beraten dich gerne und beantworten auch deine Fragen. Natürlich kannst du auch Kontakt zu unseren Lehrpersonen aufnehmen.

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